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Altsiedlung - Gartenstadt in Kamp-Lintfort

Eine alte Bergmannssiedlung im neuen Gewand

Die Anfänge
Als Anfang des vorigen Jahrhunderts die heute mitten in der Stadt liegende Zeche "Friedrich-Heinrich" entstand, existierten hier nur ein paar Höfe, deren Ländereien von der Zeche aufgekauft wurden. Die Hofgebäude dienten als Unterkünfte für die ersten Arbeiter. Gleichzeitig wurde für das erwartete Heer von Arbeitern eine Bergarbeiter-Kolonie geplant. Diese "Kolonie" bildete den Ursprung systematischer Besiedlung eines Stadtteils von Lintfort. Der Name "Altsiedlung" weist auf die Vergangenheit hin. Die Zechenleitung hatte erkannt, daß die Anwerbung qualifizierter Bergleute mehr Erfolg versprach, wenn dem Arbeiter eine preiswerte, gute Wohnung vermittelt werden konnte.

Die Gartenstadt
Die "Altsiedlung" entstand westlich der Zeche in den Jahren 1910 bis 1930 in verschiedenen Bauphasen. Man vermied die Bausünden früherer Zechensiedlungen mit ihrer Monostruktur. Es wuchs eine lebendige Siedlung mit Schulen, Kirchen, Markt und Geschäften in leicht geschwungenen Straßen. Die Werksleitung verlangte "vor jedem Haus einen Baum".
Die1,5 geschossige Bauweise mit Garten und idyllischem Vorgarten prägten das harmonische Bild der Siedlung.

Obwohl viele den gleichen Grundtyp vorweisen, unterscheiden sich die Häuser durch Details zur Auflockerung des Gesamtbildes. Auffallend sind die zahlreichen Haustüren, manchmal bis zu 6 an einem Gebäude. Daran erkennt der Betrachter, daß diese schmucken kleinen Häuschen oft aus 6 Wohnungen mit je 2 Zimmern bestanden. Diese Wohnungen entsprachen genau den Bedürfnissen der damaligen Bergarbeiterfamilien: da die "gute Stube" bei den "Bergmanns" nur 1-2mal im Jahr genutzt wurde, entfiel sie bei der Planung. Statt dessen wurde die damals wie heute wieder beliebte "Wohnküche" realisiert.
Damit sich die auf dem Fußboden spielenden Kinder nicht verkühlten, entschied man sich für Holzböden. Neben dem Schlafraum gab es noch weitere nützliche Einrichtungen: Hinter jedem Haus befand sich ein Garten mit einem Stall für Kleintierhaltung mit integriertem "Plumpsklo", das den nötigen Dünger lieferte. So konnte sich jede Familie Enten, Hühner, Kaninchen oder eine Ziege (die "Bergmannskuh") halten und im Garten Gemüse, Obst oder Blumen züchten.

Werte bewahren
Bei der Stadtentwicklung sind sich Bergbau und Stadt einig, die alte Bausubstanz zu erhalten. Mit Hilfe des Landes beginnt in den 70er Jahren eine beispielhafte Sanierung. Die technische Infrastruktur (Strom, Wasser und Kanal) wird verbessert. Straßen werden begrünt und zum Teil verkehrsberuhigt ausgebaut. Eigentümer und Mieter der Wohnungen modernisieren ihre Häuser zeitgemäß. So entsteht aus der flächengrößten Bergarbeitersiedlung des Ruhrgebietes eine sehenswerte Gartenstadt, die auch der Besucher lieben lernt.

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