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Seinem Erscheinungsbild nach gehört der Willibrordi-Dom zur wesentlich von den Niederlanden beeinflußten niederrheinischen Spätgotik. Zwischen 1400 und 1550 entstanden beiderseits des unteren Rheinlaufs im Gebiet zwischen Rur, Maas und Issel fast 400 Kirchen einer verwandten Bauart. Das nach Größe und verwendetem Material aufwendigste Bauwerk dieser Gruppe ist Wesels Stadtkirche. Sie war im einzelnen noch wesentlich formenreicher, z.B. mit einem Hochschiffgewölbe geplant. Die weitergehende Planung wurde, bedingt durch die konfessionelle Umorientierung des 16.Jahrhunderts, nicht mehr ausgeführt:
Eine Kathedrale eignete sich nicht als städtische Predigtkirche. Auch in der vereinfachten Form ist die Kirche noch ein bedeutendes Beispiel der ausklingenden Gotik in Nordwestdeutschland.
Wesels Altstadtkirche ist in zwei Bauphasen entstanden: von 1424 bis 1480 und von 1501 bis ca. 1540. Die herausragende Stadt im Herzogtum Kleve war zu der Zeit ein wirtschaftlicher und kultureller Zentralort. Seit 1407 war sie Mitglied der Hanse.
Aus der ersten Bauphase kennen wir als Baumeister Conrad van Cavelens (Entwurf) und Jan van Cavelens (Turm). Aus der zweiten Phase sind bekannt Vater Johann von Langenberg (Erweiterung auf 5 Kirchenschiffe), Sohn Gerwin von Langenberg (Nordgiebel), Wilhelm Beldensnyder (Schmuck des Brautportals) und Enkel Johann von Langenberg (Vollendung eines Steinlettners, 1594 zerstört).
Bereits um 780 hatte an gleicher Stelle eine kleine Fachwerkkirche gestanden. Sie gehörte zum nahen Herrenhof Wesele, "Hof in der Wiese". Es folgte um 1000 eine ottonische Bruchsteinkirche. Sie wurde im 12. Jahrhundert wiederum von einer dreischiffigen romanischen Kirche abgelöst. Nach der Stadterhebung Wesels im Jahre 1241 wurde diese Kirche erweitert. Zur Zeit von Wesels wirtschaftlicher Hochblüte kam es zum Bau der jetzigen Kirche. Ob der Friesenmissionar Willibrord (gest. 739 in Echternach) selbst einmal in Wesel war, bleibt weiterhin offen. Aber schon früh wurde die Weseler Kirche Willibrord-Patrozinium. Im 19.Jahrhundert mußte die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Doch kam es von 1883 bis 1896 zu einer aufwendigen Neugestaltung. Den Plan dazu machten Architekt Flügge, Essen, und der Geheime Oberbaurat Adler in Berlin. Die Mittel wurden vor allem aus vom Kaiser genehmigten Lotterien aufgebracht.
Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt Wesel beim umfassenden Rheinübergang der Alliierten in ein Trümmerfeld verwandelt. Die Altstadtkirche Willibrord wurde zum Torso. Die Vorstadtkirche Mathena, ebenfalls spätgotisches Bauwerk, wurde völlig zerstört. Wesel Innenstadt blieb Jahre unbewohnt.
Seit 1947 weiß sich der Willibrordi-Dombauverein für den Wiederaufbau der Kirche verantwortlich. Dieser Wiederaufbau geschah im Rückgriff auf dei spätmittelalterliche Ausführung. Die neugotische Überarbeitung des 19.Jahrhunderts wurde - mit Ausnahme des Chorumgangs - weitgehend abgetragen. In enger Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege waren an der Planung und Ausführung maßgeblich beteiligt: Fritz Keibel (1947 bis 1971), Jakob Deurer (1948 bis 1960), Trude Cornelius (1952 bis 1971) und Sohn Prof. Dr. Wolfgang Deurer (1961 bis 1994). Akad. Bildhauer der Dombauhütte war Tadeusz Korpak (1961 bis 1980).
(aus: Walter Stempel, Der Willibrordi-Dom in Wesel, Grosse Baudenkmäler Heft 347, 199
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